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snuggle
"Das Problem ist, warum macht eins das, um Wahrheit anzustreben oder das was eins ethisch gut findet, oder um niemals in seiner Weltsicht voller Feinde und Untermenschen etwas ändern zu müssen."
Da stimme ich im großen und Ganzen mit dir überein.
"Zunehmend bekomme ich den Eindruck, dass es einfach irrsinnig traurig ist, reaktionär zu sein. Kann doch keinen Spaß machen."
Story time:
Als ich so 17, 18 war habe ich mal diesen  Nazi in der S-Bahn beobachtet. Nazi sein war wohl wirklich wichtig für ihn, er hatte die Tatoos und den Kleidungsstil, die Frisur - das volle Programm. Andauernd stieg jemand ein, den er wohl qua dessen Gruppenzugehörigkeit hassen "musste", jedenfalls zog er jedesmal ne Schnute. Nach ner weile sah es so aus als ob er in ner Jauchegrube stünde, und nicht in der S-Bahn an nem schönen sonnigen Tag zur Feierabendzeit. Es kann natürlich sein, dass er nen scheiß Tag hatte, oder grad sein Meerschweinchen gestorben is, aber damals wurde mir klar was für eine Last es sein muss ständig diesen Hass mit sich rumzutragen. Stell dir mal vor wie fragil und oder fuckedup es in dir aussehen muss, damit dein bester Kompromiss mit der Realität der ist, ständig andere Leute abwerten zu müssen und über deren Zerstörung zu phantasieren.

Bei den ebenso engagierten Soup-Nazis, die ständig online sind und die ganze Zeit über Streit suchen und neue Hassbildchen zusammensuchen und weiterverbreiten "müssen" verhält es sich wohl ähnlich.

Wirklich Sorgen macht mir allerdings eher die große Zahl an ansonsten gut angepassten Menschen bei denen jetzt das Resentiment durchbricht, denen die ihren Hass gezielt einsetzen können und die ansonsten gut mit den Anforderungen der Gesellschaft zurechtkommen. Sorgen vor allem deswegen, weil Macht und angepasstes Verhalten sich in unserer Gesellschaft anziehen. Ich hab vor nen paar Wochen was gelesen, was mich in der Hinsicht sehr nachdenklich gemacht hat:

"Die individuelle Freiheit ist kein Kulturgut. Sie war am größten vor jeder Kultur, allerdings damals meist ohne Wert, weil das Individuum kaum imstande war, sie zu verteidigen. Durch die Kulturentwicklung erfährt sie Einschränkungen, und die Gerechtigkeit fordert, daß keinem diese Einschränkungen erspart werden. Was sich in einer menschlichen Gemeinschaft als Freiheitsdrang rührt, kann Auflehnung gegen eine bestehende Ungerechtigkeit sein und so einer weiteren Entwicklung der Kultur günstig werden, mit der Kultur verträglich bleiben. Es kann aber auch dem Rest der ursprünglichen, von der Kultur ungebändigten Persönlichkeit entstammen und so Grundlage der Kulturfeindseligkeit werden. Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt."
(http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-unbehagen-in-der-kultur-922/3)

Ich glaube der Hass dieser Menschen ist oftmals eine Reaktionsbildung auf die Entbehrungen ihres ansonsten angepassten Lebens. Haven´t thought this threw though.

Liebe Grüße, und genieß die Sonne (if you are in to that sort of thing ;-) )

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Schweinderl